header
 

Chronik

Hier erhalten sie einen kurzen geschichtlichen Überblick.

Kurz - Chronik der Gemeinde Ramsau

Geschichte von Ramsau
                                                                

Viele Ramsauer und Ramsauerinnen werden sich schon einmal die Frage gestellt haben, wie doch das Leben in all den vergangenen Zeiten in Ramsau gewesen sein muss.
Wer wollte nicht schon einmal eine Zeitreise in die Vergangenheit machen und einmal „Araburger“ sein oder Sommerfrischler im Adamstal?

Viel Vergangenes lässt sich aus Urkunden und Schriften eruieren, manches ist in Geschichten und Sagen überliefert, manches Historisches ist in Erinnerungen geblieben, Einiges kann man erahnen, Vieles ist aber in Vergessenheit geraten.

Viele historische Gegebenheiten würden wir heute nicht kennen, wenn es nicht immer wieder Persönlichkeiten gegeben hätte, die sich darum verdient gemacht haben, die Geschichte von Ramsau zu erheben, aufzuzeichnen und der Bevölkerung zugängliche zu machen. Pater Justin Fitz hat mit seinem „Ramsau bei Hainfeld und heut die Geschichte von Ramsau“ aus 1930 sehr viel dazu beigetragen, dass uns heute die Geschichte von Ramsau doch einigermaßen bekannt ist.
An dieser Stelle soll auch Herrn Dr. Franz Vonwald gedankt werden, der sich stets intensiv mit der Heimatkunde von Ramsau auseinandergesetzt und in seinen Büchern sehr viele wertvolle Informationen zusammengetragen hat.
Seine Schriften ist auch der folgende Geschichtsabriss entnommen.

Zum ersten Mal wird Ramsau im Jahre 1263 in einer Urkunde erwähnt: Chunradus und Rudlind von Ramsau sind Zeugen einer Schenkung des Rapoto von Wildeck. Das Geschlecht der Ramsauer (1263-1414) war eine kleine Adelsfamilie, die in Ramsau eine kleine Burg besaß, von der aber heute leider keine Spur mehr vorhanden ist.
Zu dieser Burg wird es auch eine Kirche gegeben haben, die um 1342 urkundlich erwähnt wird.

Das Stift Lilienfeld, das schon seit bei seiner Gründung 1209 Rechte und Besitzungen in der Gegend Hainfeld erhalten hatte, trat aber neben den Ramsauern immer stärker in den Vordergrund.

Das Geschlecht der Ramsauer kam immer mehr in finanzielle und wirtschaftliche Schwierigkeiten und verkaufte Ende des 13. Jahrhunderts und zu Begin des 14. Jahrhunderts ihren Besitz teilweise an Verwandte und teilweise an das Stift Lilienfeld. Das Stift konnte schließlich ganz in den Besitz von Ramsau gelangen.

Alten Urkunden kann entnommen werden, dass bereits im 12. und 13. Jahrhundert die Landwirtschaft eine wichtige Rolle in Ramsau spielte. Einige noch heute bestehende Bauernhäuser werden schon in dieser Zeit urkundlich erwähnt, wie beispielsweise  1310 das Bauernhaus „Lechner“ im Schneidbach. Wie wichtig die Landwirtschaft für Ramsau in der Vergangenheit gewesen sein muss und heute noch ist, zeigt sich allein in der Anzahl der Bauernhäuser in und um Ramsau.

Im 14. Jahrhundert beherrschte das Raubrittertum Ramsau: Auch die Araburger wurden zu Raubrittern und herrschten über große Teile von Ramsau.

Im 15. Jahrhundert ging es nun wieder aufwärts: Der Bürger- und Gewerbestand begann aufzublühen. Bereits 1469 wurden Hammerwerke in Ramsau urkundlich erwähnt.
Das 16. Jahrhundert war geprägt von Unruhe. Dem ersten Einfall der Türken, die sehr viel Leid und Elend mit sich brachten, Folgte die Zeit des großen deutschen Bauernkrieges, der vor allem große Not für die bäuerliche Bevölkerung brachte. In dieser trostlosen Zeitverbreitete sich der Protestantismus sehr rasch und die Grafen  von Jörger, machtvolle Anhänger des Protestantismus, hatte nun in Ramsau die meisten Besitzungen erworben.

Im 17. Jahrhundert brachte der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) die Pest nach Ramsau, an der einige Personen starben. Die Pestsäule beim Brandtner gegenüber dem Stockerhof erinnert an diese Zeit. 1683 standen die Türken wieder vor den Toren Wiens. Auf ihren Streifzügen kamen sie auch in unsere Gegend, töteten Tausende und steckten zahlreiche Häuser und die Kirche in Brand. Manche Ramsauer konnten sich in die für die Türken unbesiegbare Araburg retten. Einige Ramsauer aber, die sich, - der Sage nach -, in einem Türkenloch verschanzt hatten, wurden von den Türken entdeckt und niedergemetzelt.

Im Jahre 1783 wurde Ramsau eine eigene Pfarre. Die Priester werden vom Stift Lilienfeld entsendet.

Das 19. Jahrhundert brachte für Ramsau großen Aufschwung. Frühzeitig hatte sich neben der Landwirtschaft auch die Industrie in Ramsau entwickelt. In Ramsau gab es Kohleschürfungen, eine Zementfabrik und Gipsbruch. Nach einer Beschreibung von 1825 wurden in Ramsau Sensen erzeugt, die bis Russland und in die Türkei geliefert wurden.

Im 19. Jahrhundert entdeckten auch begüterte Wiener Familien Ramsau als „Gebirgssommerfrische“. In den Jahren1878 bis 1891 kaufte der Wiener Advokat Dr. Viktor Capesius 14 Bauerngüter im Haraseck und Kieneck und vereinigte sie zum Gut Mariental. Familie Weinberger erwarb das Gut 1912. Anton Adam kaufte Gaupmannsgraben an und errichtete 1885 eine Sommerfrische „Adamstal“. In der Blütenzeit um 1895 zählte man 70 Sommerparteien. Im inneren Gaupmannsgraben wurden viele Bauernhäuser von dem Baumwollfabrikanten Karl Scheibler aufgekauft und unter dem Gutsnamen Annental zusammengeführt. Um 1910 erwarb Julius Meinl das Gut. Weitere Familien wie Anbelang (Pauker), Fraißeisen und Salzer (Kaiser) errichteten in Ramsau große Villen.

Im 19. Jahrhundert wurde auch wichtige öffentliche Einrichtungen errichtet, wie 1883 die Freiwillige Feuerwehr, 1888 das Postamt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war neben dem Bauernstand der Arbeiterstand ein wichtiger, aber sehr armer Teil der Bevölkerung. Der Arbeiterstand war in Ramsau im 20. Jahrhundert großteils in folgenden Betrieben beschäftigt:

  • Börtelfabrik – Cerkowitz (1895 – 1912)
  • Säge Franz Wittmann ab 1909
  • Graupappenfabrik J. Stein & Co (1909 – 1930)
  • Fassdaubenfabrik A. Gaberle ab 1914
  • Säge Heinrich Steigenberger ab 1931
  • Erstes Ramsauer Dampfsägewerk und Holzwarenfabrik Kar u. Maria Sauermann (bis 1932)
  • Holzindustriewerk Ignar Dobschat (1933 – 1938)
  • Möbelfabrik Weikersdorfer ab 1938

Der erste Weltkrieg (1914 – 1918) brachte auch Ramsau einige Verluste an Menschenleben und im Anschluss an den Krieg viel Not an tatkräftigen Menschen und lebenswichtigen Gütern.
Die Zwischenkriegszeit war in Ramsau wie überall geprägt von großer Not, Arbeitslosigkeit und Hunger.

Die Annexion Deutschösterreichs an das Großdeutsch Reich wurde auch in Ramsau verständlicherweise mit Begeisterung aufgenommen: Die Bevölkerung sprach sich einstimmig für einen Anschluss aus, versprach dieser doch eine Linderung der großen Not. Über Nacht wurde die wirtschaftliche Situation besser.

Im zweiten Weltkrieg mussten viele Ramsauer einrücken, die Industrie in Ramsau hatte aber Hochbetrieb: Tausende von Spinden mussten in der Großtischlerei Weikersdofer erzeugt werden. Das Ende des Krieges brachte Kampfhandlungen nach Ramsau – fünf Häuser und ein Sägewerk wurden in Brand geschossen. Nach Abschluss der Kämpfe setzte eine Plünderungswelle ein.

Die Nachkriegszeit in Ramsau war geprägt von einem großen Aufschwung: Die Firma Weikersdorfer konnte erweitern, die erste Wasserleitung wurde gebaut (1952), die Friedenssiedlung errichtet.

In den 60er und 70er war Ramsau eine florierende Gemeinde: Es herrschte rege Bautätigkeit, ein Schilift wurde errichtet, die Bachregulierung gebaut, die Fabrik Weikersdorfer gab vielen Ramsauer Familien Arbeit.

1979 musste die Firma Weikersdorfer schließen; viele Ramsauer verloren ihre Arbeit, viele verließen nun in den folgenden Jahren Ramsau. Nun ist es in den letzten Jahren ruhig geworden, da nun auch das Urlauberheim der Kammer für Arbeiter und Angestellte im Annental geschlossen wurde.

Hoffnung für die Zukunft geben aber unter anderem Ansiedlungen neuer Betriebe, der neu errichtete Golfplatz und die Dorferneuerung Ramsau, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben in Ramsau wieder bunter und lebenswerter zu machen.

 

Dieser Text stammt von Mag. Claudia Lampl (Dorferneuerung Ramsau), nach einer geschichtlichen Abhandlung von Dr. Franz Vonwald.

 

 

wappen_unterteil  
footer